Aktuell: 2-tägiger Aufbaukurs „Vom Jagdaufseher zum Wildtierschützer" und 6-tägiger "Wildtierschützer-Lehrgang“

Murmeltierjagd in Österreich

 

Dem Himmel so nah...

Im Reich der Affen, Bären und Katzen

 

„Anstrengend sind nur die ersten paar Meter am Anfang.“ Ich weiß nicht, ob ich mich von den Worten des Pirschführers beruhigen lassen soll. Für mich ist es, wie für die meisten in unserer Gruppe,
das erste Mal, dass ich mich über die Baumgrenze hinaus begebe. Der Blick in die Gesichter der anderen zeigt mir, dass ich mit meiner Aufregung nicht alleine bin.

Noch stehen wir zusammen an einer Sennhütte in einem wunderschönen Tal in der österreichischen Bergwelt. Doch bald schon werden die vier Pirschführer mit jeweils zwei Schützen sowie maximal weiteren zwei Begleitpersonen aufbrechen. Kaiserwetter wird uns bei unserem Aufstieg begleiten. Grandios werden sich vor uns die Berge erheben. Die Pfade werden schmaler, die Anstiege steiler werden. Wenige Lärchen und die für die Region typischen Zirben werden unseren Weg säumen,
bis wir sie schließlich hinter uns lassen und wir dort angelangt sind, wo nur noch Almrausch, Wacholder, Preiselbeeren, Kräuter, Gräser und der intensiv duftende Speik wachsen.

Dort oben bleibt unser Pirschführer plötzlich stehen. „Murmel“ flüstert er. Das lässt uns aufhorchen und die Strapazen des Aufstiegs jäh vergessen. Doch während unser Jäger gespannt Richtung Felsen schaut, sehen wir erstmal gar nichts.

Unser Auge ist nicht für diese Wildart geschult und es bedarf einiger Erklärung, bis die anderen etwas sehen und schließlich auch ich endlich mein erstes Murmeltier erspähe. Nachdem ich das Erste entdeckt hatte, tauchen weitere auf. Ihre Größe lässt mich auf Affen – wie die Jungen genannt werden – tippen. Das daneben wird wohl die Katze, also ihre Mutter, sein. Sie wird nicht erlegt, da die Kleinen sonst nicht über den harten Winter in den rauen Bergen kommen.

Wir beobachten das rege Treiben eine Weile und sind fasziniert, ehe wir vorsichtig weitermarschieren. Denn ein schriller Pfiff des Beobachterpostens würde uns entlarven und sämtliche Bewohner der Murmelkolonie warnen und sie in ihren Bau verschwinden lassen.

Immer weiter geht es hinauf. Und während die beiden Schweißhunde, die wir mit dabei haben,
eifrig vorauseilen, hecheln wir etwas hinter her. Doch das Jagdfieber lässt uns nicht mehr los.
Immer weiter, immer höher wollen wir hinaus. Der blaue Himmel, die saftigen Almwiesen und die vor uns liegenden schroffen Berggipfel belohnen unsere Mühe. Und schließlich hat auch unser Pirschführer Erbarmen und zeigt uns an, dass wir stehen bleiben sollen. Am Steilhang vor uns liegt auf einer Felsplatte ein einzelnes Murmel. Also ein Bär. „Ohne Deckung können wir uns nicht anpirschen.
Das bekommt er mit“, flüstert der Jäger. Murmel können recht gut sehen.

Mein Herz pocht, nicht nur wegen des steilen Aufstiegs und der dünner werdenden Luft. Obwohl ich nur als Begleitperson dabei bin, fiebere ich mit. Näher und näher gelangen wir heran. Immer noch vom Murmel unbemerkt, nehmen Führer und Schütze hinter einem großen Felsbrocken Stellung. Wir bleiben zurück. Der Lodenrucksack wird als Schießauflage zurechtgerückt, das Gewehr in Position gebracht. Der Schütze ist im Anschlag. Ich richte derweil mein Fernglas auf das Murmel. Die Treffpunktlage ist noch nicht optimal. Geduld ist gefordert. Und Ruhe. Eine falsche Reaktion und das Murmel verschwindet in seinen Bau. Meist auf Nimmerwiedersehen.

Plötzlich rührt sich etwas. Aber nicht etwa das Murmel. Nein, direkt hinter uns Kühe. Vor lauter Anspannung haben wir sie gar nicht bemerkt. Neugierig kommen sie näher, umzingeln uns und beäugen uns neugierig.

Der Schütze sichert die Büchse, schließlich will er einen Bären und keinen Bullen erlegen.
Geduldig warten wir, bis die Herde weiterzieht.

Unbehelligt davon thront das Murmel weiter auf seiner Felsplatte. Also geht der Schütze wieder in Anschlag. Ein Zeichen des Pirschführers und schon hallt das Echo des Knalles durch die Berge.
Dann ist es wieder still. Wir atmen allesamt auf. Ein stattliches Murmel liegt etwa 170 Meter von uns entfernt. Mit perfektem Schuss.

Wir hatten es uns gemeinsam ersehnt, erlaufen, geduldig erlegen und schließlich hat es unser Schütze auch für uns erlegt.

Überglücklich versorgen wir die Beute und nach schöner Tradition wird der Erlegerbruch überreicht,
das Murmel auf Zirben-, Wacholder- und Almrauschzweigen gebettet. Stolz und zufrieden treten wir den Rückweg an, bevor sich die Sonne hinter den Gipfeln senkt und es langsam Abend wird.
Wir freuen uns auf einen Durstlöscher beim Senner und den Austausch in geselliger Runde mit den anderen, die ebenfalls erfolgreich und glückselig von ihrem Pirschgang zurückgekehrt waren...